Junge Musiker berührten die Herzen des Publikums im Glasmuseum


_MG_1353 (FILEminimizer)Was ich zwar ge­hofft, aber nicht vor­her­se­hen konn­te, wur­de wahr. Das Glas­mu­se­um war fast bis auf den letz­ten Platz ge­füllt. Was die jun­gen Gei­ger bo­ten, war je nach Al­ters­klas­se schon gro­ße Kunst. Das spür­te auch das Pu­bli­kum. Wäh­rend der Vor­stel­lung hör­te man noch nicht ein­mal ein At­men, ge­schwei­ge denn ein Hus­ten oder Räus­pern. Le­dig­lich die Ge­räu­sche der vor­bei­fah­ren­den Zü­ge am Im­men­häu­ser Bahn­hof misch­ten sich mit den Klän­gen der vor­tra­gen­den Künst­ler.

 

_MG_1289 (FILEminimizer)Den An­fang mach­te das Vio­li­n­en­sem­ble „Kas­ka­de“ mit Bar­ca­ro­le aus der Oper „Hoff­manns Er­zäh­lun­gen“ von Jaques Of­fen­bach. Ge­konnt hat­te der Lei­ter des En­sem­bles, Ja­kov Agra­nov, be­son­de­re Le­cker­bis­sen der Mu­sik­li­te­ra­tur aus­ge­wählt. Al­le Me­lo­di­en wa­ren be­kannt, ob­wohl nicht je­der im Pu­bli­kum gleich das vor­ge­tra­ge­ne Werk be­nen­nen_MG_1305 (FILEminimizer) konn­te. So ka­men un­ter an­de­rem „Air“ und „Ave Ma­ria“ von Bach, das „Ave Ver­um“ von Mo­zart, die „Hu­mo­res­que“ von Dvor­ak, so­wie der „Dorn­rös­chen­wal­zer“ von Tschai­kow­sky zum Vor­trag und wur­den mit vol­lem, run­den Ton, mehr­stim­mig vor­ge­tra­gen. Das En­sem­ble wur­de von Ju­lia Rein­gardt am Flü­gel be­glei­tet.

 

„Kas­ka­de“ be­steht aus sechs fort­ge­schrit­te­nen Schü­le­rin­nen von Herrn und Frau Agra­nov aus den Mu­sik­schu­len Kas­sel und Bad Karls­ha­fen, wo bei­de Leh­rer Gei­gen­un­ter­richt er­tei­len. Sie ha­ben es ge­schafft, vie­le jun­ge Ta­len­te so zu för­dern, dass die bei Mu­sik­wett­be­wer­ben ers­te Prei­se er­zie­len.

 

_MG_1330 (FILEminimizer)Ei­ni­ge die­ser Schü­ler zeig­ten an die­sem Abend ih­re Ta­len­te. Na­than Kloiz­ner (9 Jah­re) und Ro­bert Lehr (10 Jah­re) spiel­ten an­spruchs­vol­le Stü­cke mit ho­her Vir­tuo­si­tät aus Kon­zer­ten von Jan­schi­now und Beriot und wur­den prompt zu ei­ner Zu­ga­be auf­ge­for­dert. _MG_1341 (FILEminimizer)Er­staun­lich, mit wel­chem Selbst­ver­trau­en die bei­den jun­gen Künst­ler auf­tra­ten. Es folg­ten zwei ly­ri­sche Bei­trä­ge von zwei wei­te­ren Schü­le­rin­nen, Han­na Brüsch­ke und Su­san­ne Lück. Das Pu­bli­kum ho­no­rier­te ih­re Leis­tun­gen mit lang an­hal­ten­dem Ap­plaus.

 

_MG_1360 (FILEminimizer)Den Hö­he­punkt des Abends al­ler­dings war der Auf­tritt von Anis­ja Knüp­pel, ei­ner hoch­be­gab­ten Schü­le­rin von Ja­kov Agra­nov. Da steht ei­ne zar­te, be­schei­de­ne Vier­zehn­jäh­ri­ge mit et­was blas­sem Teint auf der Büh­ne und spielt Beet­ho­vens „Ro­man­ze in F‑Dur“ mit sol­cher Hin­ga­be, dass man im Pu­bli­kum die ers­ten „Au­gen­wi­scher“ sieht. Da­nach setzt sie mit den „Zi­geu­ner­wei­sen“ von Pa­blo de Sa­ra­s­a­te zu ei­nem Feu­er­werk der Stim­mun­gen an. Ih­re Gei­ge sang, klag­te und wein­te und er­füll­te den Raum mit den schöns­ten Klän­gen. Ein nich­t­en­den­der Ap­plaus und Bra­vo­ru­fe wa­ren der Lohn ih­rer Dar­bie­tung.

 

Zum Ab­schluss spiel­ten al­le zu­sam­men das „Wie­gen­lied“ von Jo­han­nes Brahms. Ein sicht­lich be­weg­tes Pu­bli­kum ver­ließ das Kon­zert mit der Er­kennt­nis, ei­nen wun­der­schö­nen Abend er­lebt zu ha­ben.

 

Fotos: Paulo Da Costa

 

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