Sabine Wackernagel sorgte für ein volles Haus


Es war Sa­bi­ne Wa­cker­na­gel an­ge­sagt. Sie ist ein Ga­rant für gut be­such­te Ver­an­stal­tun­gen. Doch dies­mal muss­ten die Ver­an­stal­ter in den Kel­ler des Mu­se­ums krie­chen, um die letz­ten Sitz­ge­le­gen­hei­ten zu or­ga­ni­sie­ren.

 

Dann be­tritt Sie den Raum und man spürt ih­re Prä­senz. Kaum hat sie ein paar Wor­te ge­spro­chen weiß man, das ist ein Pro­fi. Ih­re kla­re und deut­li­che Spra­che, ih­re Mi­mik, die je­den Satz, ja je­des Wort un­ter­strei­chen. Das ist ho­he Schau­spiel­kunst. An je­nem Abend er­zählt sie vom Le­ben Kurt Tucholsky’s, dem  wohl be­kann­tes­ten Pu­bli­zis­ten der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Der Ti­tel “Wenn ich tot bin, mel­de ich mich” wirk­te zu­erst rät­sel­haft, wird dann aber im Ver­lauf des Vor­trags auf­ge­klärt. Tu­chol­sky schrieb die­sen Satz an sei­ne ehe­ma­li­ge Frau Ma­ry Ge­rold, die er als Al­lein­er­bin sei­nes Ver­mö­gens ein­setz­te. Man könn­te mei­nen, dass er da­mit Wort ge­hal­ten hat­te.

 

Er­staun­lich, aber be­stimmt nicht zu­fäl­lig, er­zähl­te die Künst­le­rin, wie Tu­chol­sky vor dem Er­star­ken der po­li­ti­schen Rech­ten warnt, soll hei­ßen: Ge­schich­te wie­der­holt sich al­so doch. Wa­cker­na­gel schil­dert die klar­sich­ti­ge Wahr­neh­mung Tucholsky’s über das da­ma­li­ge Bür­ger­tum und die Le­bens­um­stän­de der Ar­bei­ter­schaft. Auch hier er­tappt man sich, wenn auch in an­de­ren Maß­stä­ben, Par­al­le­len zur heu­ti­gen Zeit zu zie­hen. Viel­leicht ge­wollt?

 

Dann er­zählt Sa­bi­ne Wa­cker­na­gel über Tucholsky’s Ver­hält­nis zu Frau­en, was dem ei­nes Ero­to­ma­nen gleich­kommt. Er­staun­lich, dass hier die meis­ten La­cher zu hö­ren wa­ren, ob­wohl er sei­ne Ge­lieb­te gleich mit meh­re­ren Frau­en be­trog. Ja, wenn man nicht be­trof­fen ist, kann das sehr lus­tig sein.

 

Ge­lernt ha­ben wir, dass Kurt Tu­chol­sky ei­ne zer­ris­se­ner Mensch war, so­wohl in sei­nem po­li­ti­schen Den­ken und Han­deln, wie auch in sei­nem Pri­vat­le­ben.

 

Her­vor­ra­gend mu­si­ka­lisch be­glei­tet wur­de Sa­bi­ne Wa­cker­na­gel von Hart­mut Schmidt (Ak­kor­de­on) und Frank Pecher (Gi­tar­re). Bei den Ver­to­nun­gen von Tucholsky’s Ge­dich­ten sorg­ten die bei­den für die Dra­ma­tur­gie. Sie ha­ben da­bei Hanns Eis­ler, Fried­rich Hol­la­en­der und wei­te­re Kom­po­nis­ten der 30er Jah­re für sich mit viel Spaß wie­der­ent­deckt. Das Pu­bli­kum war hoch zu­frie­den mit der abend­li­chen Ver­an­stal­tung und be­stä­tig­te das mit lang­an­hal­ten­dem Ap­plaus.

 

Fotos: Paulo DaCosta

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